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halloleipzig

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geschichten, texte, fragmente &

gedanken über das auswandern & in die ferne schweifen, das ankommen & heimischwerden, vermissen & liebgewinnen.

für alle entdecker, die ihr zuhause in der weite suchen & (hoffentlich) in sich finden.

so oft es der alltag zulässt, wann immer möglich zweiwöchentlich, gibt's hier auf halloleipzig neues zu leipzig & umgebung.

leipzig, mein leipzig, lob ich mir (angelehnt an goethe).

Anfang und Ende oder Warum?

 

zur Hörfassung

 

Warum anfangen, wenn man doch weiß, es hat ein Ende? Denn alles hat ein Ende. Unweigerlich.

Auch wenn wir das Verfallsdatum nicht kennen, es gibt eines. Ganz klein - manchmal gänzlich unleserlich - wird es allem aufgestempelt. Direkt in seinem Entstehen.

Dem Anfang wohnt nicht nur ein Zauber inne (frei zitiert nach Hermann Hesse, „Stufen“), sondern auch ein Ende.

Alles ist endlich.

Wir werden geboren, wir werden sterben. Genau wie Sterne. Universen. Galaxien.

 

Diese Begrenzung des Gefäßes „Sein“ macht den Inhalt, das Leben, kostbar. Ich weiß schon… Aber trotz dieses Wissens verschwende ich viel zu oft genau von dieser wertvollen Lebenszeit - Minuten, Stunden, ja Tage - in denen ich nichts auf die Reihe bekomme, Trübsal blase. Paradoxerweise aus der Angst heraus, eben nicht das Beste aus dem mir zur Verfügung stehenden Kontingent zu machen.

 

Warum also überhaupt anfangen, wenn nebst dem immanenten Ende auch noch düstere Gedanken, Ängste und Sorgen auf uns warten?

Angst, nicht genug zu sein.

Angst, nichts zu erreichen, egal wie sehr man sich anstrengt.

Angst, keinen Unterschied zum Besseren in der Welt zu machen.

Angst, das Potenzial, das in jedem von uns liegt, nicht entfalten zu können.

Angst, wegen materiellen und gesellschaftlichen Einschränkungen festzusitzen in diesem Dazwischen und in einer Unzufriedenheit, die nur durch das Ende des Irdischen abgelöst wird…

 

Warum also überhaupt anfangen…?

 

An guten Tagen halte ich diesen Gedanken Einhalt, weise sie in ihre Schranken, hebe all die kleinen Schönheiten hervor, die uns immerwährend umgeben und die es sich zu bemerken lohnt.

 

An schlechten Tagen weiß ich keine Antwort auf diese Frage, die einem des Lebens überdrüssig machen kann.

An schlechten Tagen weiß ich nur, dass das Auf und Ab der menschlichen Emotionalität mir auch wieder gute Tage in mein „Sein“-Gefäß einschenkt. Tage, an denen ich diese Grundüberzeugung, dass alles gut wird, weiter untermauern kann, damit sich die dunklen Tage dazwischen nicht mehr ganz so verloren in der Ödnis der Antwortlosigkeit anfühlen werden.

 

Anfangen lohnt sich!

Trotz allem!

 

Leipzig - mein Leipzig -, Du hast mir in der kurzen Zeit, seit ich hier bin, so viele Anfänge wie auch Enden beschert.

Wir machen trotzdem weiter!

Denn, am Ende muss ich Hermann Hesse halt doch beipflichten: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ - selbst im Wissen eines Endes oder der Tatsache, dass dem Anfang vielleicht ein anderes Ende vorausgegangen ist.

 

Anfangen lohnt sich!

 

© Anaïs-Madlaina Büchl

 

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